Was können Eissauna, Kalte Dusche und Co.?

Dieser Trend lässt sich sicherlich nicht mehr aufhalten: Kälte als Waffe gegen Schlafstörungen, Rheuma, Neurodermitis, Cellulite und Gewichtsschwankungen.

Wir haben die drei gängigsten Kältemethoden getestet. Die Ganzkörperkältetherapie (auch Kryotherapie genannt) in Form der -150 Grad kalten Eissauna, kalte Duschen und Eisbäder.


Alle Infos rund um die kalte Thermogenese – damit ist die Produktion von Wärme gemeint, die einsetzt, wenn der Körper Kälte ausgesetzt ist – haben wir in diesem Artikel für euch zusammengefasst.

Wie kann Kälte bei Krankheiten und Problemzonen Abhilfe schaffen?

Was schon im alten Ägypten bekannt war, wurde über Jahrzehnte hinweg weiter verfeinert. Die Kälte kann bei Krankheiten wie Rheuma, Neurodermitis, Schuppenflechte, Arthritis und Arthrose wahre Wunder bewirken. Hierbei ist die Unterscheidung zwischen lokaler Kältebehandlung und Ganzkörperkältetherapie zu treffen.

Die lokale Kältebehandlung ist ideal zur Vereisung von Warzen, kleineren Hauttumoren und wucherndem Narbengewebe. Dank der Kryochirurgie können kranke Zellen vereist und abgetötet werden, ohne größere Narben zu hinterlassen.

Die Ganzkörperkältetherapie hingegen wirkt auf den gesamten Organismus. Und das nicht nur beim Menschen, sondern mittlerweile auch bei Tieren. Offene Wunden heilen viel schneller ab, da die Zellen vermehrt mit Sauerstoff versorgt werden.

Entzündungsherde können erfolgreich bekämpft werden, da Schmerzreize unterdrückt werden.

In Rehazentren besuchen vor allem Rheuma- und Neurodermitispatienten die Kältekammern , um ihre Beschwerden loszuwerden. In unseren Gesprächen mit Leidtragenden berichteten einige, dass ihre Schmerzen nach einer einwöchigen Kältekur für mehrere Monate komplett verschwanden.

Nicht nur für medizinische Zwecke wird die Kälte genutzt. Die in Japan entwickelte Kryosauna erfreut sich vor allem in Hollywood großer Beliebtheit. Durch die unkomplizierte und zeitsparende Methode, bibbern die Stars regelmäßig in den Kabinen, um sich jung zu halten.

Die auf Zellebene stattfindenden Stoffwechselprozesse begünstigen die Kollagenproduktion der Haut. Das sorgt vor allem für straffe, pralle Haut. Nebenbei verbrennt man bis zu 700 Kalorien. Das Ganze ist nicht ganz günstig, weshalb wir sehen möchten, ob man diese Ergebnisse auch mit kalten Duschen und Eisbädern erreichen kann.

Bei Sportlern sind diese Methoden schließlich auch schon seit Jahren sehr beliebt, weil somit die Leistung gesteigert werden kann. Regenerationszeiten und Verletzungsrisiko nach dem Sport können mit einer Kältebehandlung um bis zu 50 % gesenkt werden.

Mittlerweile nutzen auch etliche sogenannte Biohacker die kalte Thermogenese. Sie versprechen sich durch kalte Duschen am Morgen oder Eisbäder einen leistungsfähigeren Körper und Geist. Damit gehen positive Effekte wie: ein stärkeres Immunsystem, bessere Laune, schnellere Muskelregeneration, schnellere Fettverbrennung, stabilerer Hormonhaushalt und Abhilfe und Vorsorge bei Burnout und Depression einher.

Beim letzten Punkt greift vor allem die Methode des bekannten Kältepioniers Wim Hof. Der Iceman hat sage und schreibe 26 Guinness Weltrekorde aufgestellt. Mit seiner Atemtechnik und der dazugehörigen Kälteexposition hat er es geschafft den Selbstmord seiner Frau im Jahre 1995 zu verarbeiten. Seit dem begeistert der charismatische Extremsportler Menschen auf der ganzen Erde für die Kraft der Kälte.

Alle Kältemethoden auf einen Blick

Wim Hof Methode mit kalten Duschen und Eisbädern

Es gibt drei Komponenten der Wim Hof Methode:

1. Die Atemtechnik des Niederländers kann mit einer kontrollierten Hyperventilation verglichen werden. Hierzu sollte man liegend oder in einer bequemen Sitzposition 30mal tief ein- und ausatmen. Das sollte aus dem Bauch passieren, sodass sich deine Bauchdecke sichtlich erhebt. Es sollte immer mehr ein- als ausgeatmet werden, da somit die Zellen mit mehr Sauerstoff als gewöhnlich versorgt werden können. Das kann man dann noch zweimal wiederholen.

Die Atemübung ist sehr wirksam und darf auf keinen Fall im Wasser oder während einer Autofahrt durchgeführt werden.

2. Die Kälteexposition sorgt dafür, dass dein Körper weiße Fettzellen (speichern das Fett) in braune Fettzellen (verbrennen Fett) umwandelt. Entzündungsvorgänge im Körper heilen schneller ab, die Schlafqualität verbessert sich, die Laune hebt sich und innere psychische Blockaden können sich lösen.

Hierfür sollte man sich nach der Durchführung der Atemtechnik bis zu vier Minuten in kaltes Wasser begeben. Für den Anfang reicht es kalt zu Duschen und sich immer mehr zu steigern was die Zeitdauer angeht.

3. Die Hingabe zur Methode. Es reicht nicht sich ein Mal der Kälte auszusetzen und zu erwarten, dass sofortige Effekte eintreten. Die Erfolge hängen wie beim Sport mit Übung, Willenskraft und stetiger Verbesserung zusammen. Je öfter und länger man die Kältemethode anwendet, desto mehr profitiert die Physis und die Psyche davon.

Kältekammern

Diese bis zu -120 Grad kalten Räume findet man hauptsächlich in Rehazentren. Die durch den Arzt verschriebenen Kältekuren sind vor allem für Rheumapatienten gedacht. Früher dachte man, dass Wärme bei Rheuma ideal sei. Heute weiß man es besser. Viele Patienten berichten von einer sofortigen Schmerzlinderung nach der Erfahrung in der Kältekammer.

Meist gehen 3–5 Personen gleichzeitig in die eisig kalten Räume. Dabei sind ihre Extremitäten, Gesichter und Köpfe vor der Kälte geschützt. Der Organismus merkt, dass es sich um eine Gefahrensituation handelt und mobilisiert die Stoffwechselmechanismen. Hierbei fließt das Blut vermehrt in die wichtigen Organe, die sich vor allem im Bauchbereich befinden. Die Hände und Füße könnten als Erstes absterben, wenn es hart auf hart kommt. Das kann aber in den 2-3 Minuten, die der Patient der extremen Kälte ausgesetzt ist, nicht passieren. Und so profitiert er nur von den positiven Effekten der Kryokammer.

Kryosauna

Im Gegensatz zur Kältekammer handelt es sich bei den sogenannten Kryo- oder Eissaunas um einzelne Kabinen, in denen sich auch Menschen ohne rheumatische Erkrankung schlank, schön und gesund schlottern können.

Das Ganze ist ein Hype, der vor allem durch Berühmtheiten wie Jennifer Aniston oder Ronaldo bekannt geworden ist. Durch die kurze Dauer von 3 Minuten bei bis zu -150 Grad verbrennen Kälteliebhaber nicht nur so viele Kalorien wie bei einer Stunde Joggen. Sie straffen zusätzlich ihr Bindegewebe und sagen Stress, Schmerzen und Zivilisationskrankheiten den Kampf an.

Es ist vor allem der ganzheitliche Aspekt, der viele Kryoanhänger so von der Methode überzeugt. Das harmonische Zusammenspiel von Körper und Geist ist es, was sie wollen. Niemand geht in eine Eissauna, weil er nur eines der vielen positiven Aspekte verfolgt. So wurde es uns zumindest berichtet, aber zu unserem Selbsttest kommen wir gleich.

Kryolipolyse und Kryofacials

Wer aber doch nur mit einer Problemzone kämpft, für den ist vielleicht die partielle Fettvereisung (Kryolipolyse) oder die Kältebehandlung fürs Gesicht (Kryofacial) genau das richtige.

Bei der Kryolipolyse gibt es verschiedene Verfahren:

Die Partie rund um die Problemzone wird entweder eingesaugt und mit Kälte behandelt.

Oder durch Platten gekühlt. Das Ganze dauert in beiden Fällen meist eine halbe bis zu einer Stunde und ist nicht ganz billig.

Eine Sitzung kostet um die 100-200€.

Hierbei wird das Prinzip der Kälteanfälligkeit von Fettzellen ausgenutzt. Diese sterben dann regelrecht ab. Es kann zu Nebenwirkungen wie größeren Blutergüssen kommen.

Von einer Anwendung sollten folgende Risikogruppen absehen:

  • Schwangere oder stillende Mütter
  • Betroffene von Darmkrankheiten
  • Rheumaerkrankte
  • Menschen mit peripherer Durchblutungsstörung (z.B. Raynaud-Syndrom, Weißfingerkrankheit)
  • Blutungsanamnesepatienten oder Kälteallergiker
  • Hepatitis C Erkrankte
  • Wenn an der Problemzone zusätzlich Schuppenflechte, Ekzeme oder große Narben auftreten
  • Bei Implantaten (wie Herzschrittmachern, künstlichem Gelenk )
  • Bei vor kurzem durchgeführte Operation an der Problemzone
  • Personen mit Nabel- oder Leistenbrüchen
  • Bei Paroxysmaler Kältehämoglobinämie
  • Stark Übergewichtige

Von Kryofacials profitieren besonders Menschen mit Akne und Hautunreinheiten, Pigmentflecken, leichten Falten und Narben im Gesicht.

Hierbei wird ein Dampf, der bis zu -180 Grad kalt ist mithilfe eines Steamers von einer Kosmetikerin über das Gesicht geführt.

Da uns der Effekt und die Wechselwirkung von Kälte auf den gesamten Organismus interessiert, haben wir diese beiden Methoden nicht getestet.

Kalte Duschen – Selbsttest und Erfahrung

Wir fangen unseren Selbsttest mit der gängigsten aller Kältemethoden an. Der kalten Dusche. Sie soll den gesamten Stoffwechsel in Schwung bringen, wach machen, das Immunsystem stärken und für gute Laune sorgen.

Sebastian Kneipp wusste das schon im Jahre 1850. Mit seiner Kaltwassertherapie sind heutzutage etliche Menschen vertraut.

Eine Art Gefäßtraining könnte man es nennen. Hierbei werden gleichzeitig auch die Nerven gestärkt. Die kalten und warmen Reize sorgen dafür, dass die Blutgefäße sich verengen und weiten. Das führt zu einer besseren Durchblutung, mehr Sauerstoff im Blut und der Ausschüttung von Glückshormonen.

Da das sehr vielversprechend und gesund klingt, wage ich mich an den Selbstversuch.

Meine erste kalte Duscherfahrung ist eine wahre Überwindung, aber mit dem Mantra, es meiner Gesundheit zuliebe zu machen, fällt es mir leichter 30 Sekunden lang unter dem kalten Wasserstrahl auszuharren.

Ich fühle mich wach, euphorisch und willensstark. Da ich den Versuch im Januar mache und relativ lange brauche, um im Büro wieder aufzuwärmen, nehme ich mir vor die kalte Dusche das nächste Mal mit ein paar Sekunden heißem Wasser abzuschließen.

Nachdem ich es die nächsten Male immer länger unter der kalten Dusche aushalte, setze ich mir meine Wunschzeit bei 2 Minuten und 30 Sekunden. Dieser Zeitrahmen ist für mich am idealsten.

Nach zwei Wochen kann ich mir vorstellen die kalte Dusche immer mal wieder zu wiederholen.
Die Einfachheit gepaart mit der Effektivität der Methode überzeugen mich zu 100 %.

Eisbad – Selbsttest und Erfahrung

Nun geht es an die vermutlich härteste der drei Kältemethoden – dem Eisbaden. Hierbei begibt man sich nur in Badesachen bekleidet in 1–2 Grad kaltes Wasser. Das entspricht der Wassertemperatur in deutschen Flüssen Mitte Januar.

Hierbei kommt mir vor allem die Wim Hof Atemtechnik zugute. Gemeinsam mit einem Freund, der mich bei dem Vorhaben überwacht, wage ich mich an das Experiment.

Zuvor übe ich drei Tage lang das Atmen nach Wim Hof und lege mich dann für drei Minuten in den Schnee. Da Wasser aber Kälte besonders gut leitet, ist es nicht dasselbe. Für einen positiven Effekt sollte man mindestens vier Minuten im Eiswasser ausharren.

An einem Bach in meiner Nähe begebe ich mich mit zwei Handtüchern bewaffnet an das Wasser. Ich lege ein Handtuch auf den Boden, um mich darauf auszuziehen. Das andere bleibt mit meiner Kleidung im Rucksack.

Es ist sehr wichtig sich danach wieder warm einzupacken und eventuell stark gezuckerten, warmen Tee zu sich zu nehmen.

Krank wird man bei der Methode nicht. Im Gegenteil. Man stärkt seine Immunabwehr enorm. Problematisch wird es erst, wenn man mit Viren und Bakterien in Kontakt kommt. Nur die führen zu einer Grippe, Erkältung, Blasenentzündung und Co.

Als ich mich ins Wasser wage, ist die erste Minute besonders unangenehm. Danach geht es dann. Durch die kalten Duschen und mit der Atemtechnik fühle ich mich gut vorbereitet. Die Atemtechnik signalisiert dem Körper zusätzlich, dass jetzt etwas auf ihn zukommt. Nach fünf Minuten und 30 Sekunden gehe ich aus dem Wasser. Besonders unangenehm kalt und fast taub fühlen sich meine Füße an. Die Hände habe ich während des Eisbads in meine Achseln gesteckt. Die fühlen sich relativ warm an im Gegensatz zu meinem restlichen Körper.

Was mir dann im Laufe des Tages auffällt: Nach dem Eisbad braucht mein Körper um einiges länger, um wieder aufzuwärmen, als es bei der kalten Dusche der Fall ist.

Macht auch Sinn.

Das Eisbad war eine tolle Erfahrung, da ich mich tatsächlich getraut habe es zu tun. Aber aufgrund der umständlichen Methodik und der langen Aufwärmphase bin ich nicht der größte Fan.

Kryosauna – Selbsttest und Erfahrung

Auf diese Erfahrung war ich besonders gespannt. 3 Minuten bei -150 Grad klingt irre. Aber durch das trockene Luft-Stickstoff Gemisch soll die Methode ideal für die Mittagspause geeignet sein.

Tatsächlich ist es in der Eissauna auch ja aufgrund der Temperatur viel kälter, als im Eiswasser oder unter der kalten Dusche. Man nimmt diese extreme Kälte aber nicht so extrem wahr, da keine Luftfeuchtigkeit im Spiel ist und somit auch kein Wasser. Man schwitzt nicht. Wird nicht nass.

Ideal für viel beschäftigte Berufstätige, die schnell und unkompliziert etwas für ihre Gesundheit tun möchten.

In der Kältesauna sind die Füße und Hände geschützt. Der Kopf schaut aus der Kabine raus und man kann sich im Kreis oder auf der Stelle bewegen.

Das Ganze ist die smarte Version des Eisbadens, aber auch teurer. Eine Sitzung fängt meist bei 29 € an und wird immer günstiger, je häufiger man reingeht. Hierbei gibt es verschiedene Tarife, aus denen man auswählen kann, ob man ein-, zwei- oder dreimal die Woche das Kältevergnügen in Anspruch nehmen möchte.

Für Rheumapatienten, die nicht immer nur auf die unflexiblen Zeiten in Rehazentren angewiesen sein möchten, kann das eine echte Alternative darstellen.

Hier ein kurzer Überblick für den diese Methode besonders gut geeignet ist:

  • Schmerzgeplagte, die vor allem von Krankheiten wie Rheuma, Neurodermitis, Schuppenflechte, Arthritis, Arthrose, Tennisarm, Golfarm, Mausarm und Gicht betroffen sind
  • Sportler, die leistungsfähiger sein wollen, kürzere Regenerations- und Erholungszeiten und entzündliche Prozesse minimieren möchten
  • Mütter nach der Schwangerschaft, die mit Gewichts- und Hormonschwankungen zu kämpfen haben
  • Übergewichtige Frauen und Männer, die sich in ihrem Körper nicht mehr wohlfühlen und Stoffwechselprobleme haben
  • Individuen, die Cellulite loswerden und die natürliche Kollagenproduktion anregen möchten

Für meinen ersten Besuch im Eissaunastudio wurde mir am Telefon mitgeteilt, dass ich am besten zuvor etwas essen solle, denn danach müsse man 3–4 Stunden auf feste Nahrung verzichten. Zusätzlich muss dem Körper viel kalte Flüssigkeit zugeführt werden.

Das befolge ich und begebe mich dann nach einem Einführungsgespräch in eine Umkleide, in der Hygieneüberzieher, Schuhe und Handschuhe bereit liegen. Nachdem ich mich bis auf die Unterwäsche ausziehe, die Hygieneüberzieher anlege und in die Schuhe und Handschuhe schlüpfe, wird meine Hautoberflächentemperatur mit einem Infrarotthermometer gemessen.


Diese beträgt 29,7 Grad. Eine ganz normaler Wert für die Hauttemperatur, wie mir erklärt wird. Der liegt im Durchschnitt bei 30 Grad und kann je nach Außentemperatur schwanken.

Als ich mich in die futuristische Kältesauna begebe, werde ich von der Mitarbeiterin hochgefahren, sodass mein Kopf rausschaut und ich die Temperatur- und Zeitanzeige hinter mir erkennen kann.

Dann geht es schon los. Die Anfangstemperatur beträgt -130 Grad. Die Eissauna kühlt während der Sitzung auf bis zu -155 Grad runter. Ich unterhalte mich mit der Mitarbeiterin, die mir erklärt, dass mein Gehirn eine Gefahrensituation wahrnimmt und das Blut vor allem in die wichtigen Organe, die sich im Bauchbereich befinden, pumpen lässt.

Deshalb ist es an den Extremitäten besonders kalt. Diese würden quasi als erstes Absterben. Deshalb müssen die Füße auch immer geschützt werden.

Die drei Minuten können keine tatsächliche Gefahr für den Körper darstellen. Dafür müsste man wesentlich länger drin bleiben.

Nachdem die Zeit um ist, wird meine Temperatur wieder gemessen. 15,7 Grad beträgt sie nur noch. Nun arbeitet mein Körper, um wieder die Normaltemperatur zu erreichen und verbrennt hierfür bis zu 700 Kalorien. Gleichzeitig wurde die Kollagenproduktion der Haut angeregt, Glückshormone ausgeschüttet und Schadstoffe freigesetzt, die ich jetzt mit reichlich Flüssigkeit loswerden muss.

Das Ganze war eine tolle Erfahrung und ich kann mir vorstellen, dass es sehr vielen Leuten bei so einigen Problemen helfen kann.

Man spürt, wie intensiv der Körper nach der Kältebehandlung arbeitet. Kalorien verbrennt man auf alle Fälle und meine Haut fühlt sich auch straffer an. Diesen Effekt kann man mit häufigen Besuchen bestimmt verstärken.

Medizinischer Hintergrund und Studien zur kalten Thermogenese

Erforscht sind bisher vor allem die Zusammenhänge zwischen sportlicher Leistung und Kälteeinwirkung. Wissenschaftler fanden heraus, dass sich Laktatwerte von Läufern durch eine vorherige Kältebehandlung viel später erst erhöhten. Laktat (Salz der Milchsäure) sorgt dafür, dass die Leistung fällt.

Außerdem ist es bekannt, dass sich Kältebäder oder Kryobehandlungen positiv auf Muskelkater auswirken. Das ging aus einer Studie mit 360 Menschen hervor, die nach sportlicher Anstrengung entweder ein kaltes Wasserbad nahmen oder sich nur ausruhten. Die Teilnehmer, die 24 Minuten in dem Wasserbad verbrachten, hatten keinen Muskelkater.

Dann wäre da noch der Stoffwechsel und die Fettverbrennung.

Es ist noch nicht allzu lange bekannt, dass nicht nur Babys wie zuvor angenommen braune Fettzellen (BAT) besitzen. Auch Erwachsene tragen diese gern gesehenen Fettverbrennungsanlagen in sich. Im Gegensatz zu weißem Fett, was Energie speichert, ist braunes Fett weitaus aktiver und verbrennt Kalorien, um uns zu wärmen.

Je mehr wir uns der Kälte aussetzen, desto mehr braune Fettzellen produziert der Körper.
Studien zeigen, dass sich durch Kälteeinwirkung der Kalorienverbrauch der braunen Fettzellen erheblich erhöht. Das bedeutet: Je mehr wir uns der Kälte aussetzen, desto mehr braune Fettzellen produziert unser Körper.

Diese Hormone werden medizinischen Studien nach vermehrt ausgeschüttet:

  • Das Allroundtalent Adiponectin: Es ist durch Studien belegt, dass der Adiponectinwert um bis zu 70 % steigt, wenn der Körper Kälte ausgesetzt wird. Adiponectin reguliert unter anderem den Blutzuckerspiegel. Übergewichtige haben einen besonders niedrigen Adiponectinspiegel. Adipokinen kontrolliert zusammen mit Leptin, Insulin und anderen Hormonen kontrolliert mitunter das Hungergefühl. Es verbrennt im Grunde Fett. Und nicht nur das. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt es als wahre Wunderwaffe.
  • Die Wachmacher Adrenalin und Noradrenalin: Sie sorgen für die Verengung der Gefäße. Somit steigt der Blutdruck für kurze Zeit und das fördert die Konzentration.
  • Der Muskelprotz Irisin: Irisin ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass unsere Muskeln wachsen.

Die kalte Thermogenese hat also nachweislich einiges zu bieten. Trotzdem forschen Wissenschaftler weiterhin daran, wieso es Kältegurus wie Wim Hof möglich ist sein Immunsystem scheinbar durch Willenskraft zu kontrollieren.

Endfazit – Welche Kältemethode ist die Beste?

Abschließend lässt sich sagen, dass die Kälte ein wahrer Gesundheitsallrounder ist. Egal, ob es um Erkrankungen, Vorsorge, Abnehmen oder Anti-Aging geht, die kalte Thermogenese kann uns dabei helfen unser Leben zu bereichern.

Das Eisbad im Fluss ist sehr gewöhnungsbedürftig und eher eine Sache fürs Wochenende , an dem man Zeit hat sich ordentlich wieder aufzuheizen. Auch das Aus- und Anziehen im Freien ist nicht so meins und die kalten Füße, die sich wie schwere Eisklotze anfühlen, muss ich auch nicht haben. Hinzu kommt, dass es nur eine Aktivität für den Winter ist, denn im Frühjahr ist das Wasser zu warm fürs Eisbaden.

Die Kryotherapie war eine sehr interessante Erfahrung, allerdings sehe ich sie mehr als Lifestylezusatz, da es mit rund 19–39 € pro Sitzung ein teurer Spaß ist, den sich einige aber bestimmt gerne leisten. Für mich stellt es noch eine zusätzliche Verpflichtung im Alltag dar, auf die ich verzichten kann.

Mein Favorit sind die kalten Duschen am Morgen. Schnell, einfach und unkompliziert lässt sich dieses Ritual in meinen Alltag einbauen. Sie erfüllen mich jedes Mal wieder mit Energie und guter Laune. Außerdem bin ich seit dem nicht mehr krank geworden. Das ist im Grunde auch alles, was ich wollte.

Wer die Kältemethoden auf eigene Verantwortung ausprobieren möchte, sollte generell und vor allem bei Vorerkrankungen wie Herz-Kreislaufstörungen, Durchblutungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Schwangerschaft und Kälteempfindlichkeiten jeglicher Art von einem Arzt abklären lassen, ob er sich der Belastung aussetzen darf. Es handelt sich hierbei um eine ernst zunehmende Gefahr, die nie unterschätzt werden sollte. Wir raten jedem, der es auf eigene Gefahr ausprobieren möchte auf sein Körpergefühl zu hören.